Es kann ziemlich anstrengend sein, wenn man mit einem Elternteil eines besonderen Kindes befreundet ist.

Wir sind sehr empfindliche und emotionale Menschen.

Wir sind (ständig) müde, wir sind (ständig) beschäftigt, wir sind (ständig) besorgt.

Wir wollen auch gute Freunde für Euch sein, aber wir sind uns bewusst, dass sich die Freundschaft verändert hat - auf beiden Seiten.

Wir vergessen Geburtstage, wir lehnen Einladungen ab und wir rufen selten zurück, obwohl wir es versprochen haben.

Stellvertretend für alle Eltern von besonderen Kindern, möchte ich sagen, dass wir Euch weiterhin sehr schätzen und Euch an unserem Leben teilhaben lassen wollen.

Zu diesem Zweck habe ich ein paar Tipps zusammengestellt, die uns meiner Erfahrung nach helfen können, diese wichtigen Beziehungen aufrecht zu erhalten, denn wir alle müssen uns mit dieser neuen Situation auseinandersetzen.

1. Stellt uns konkrete Fragen

Wir verstehen durchaus, dass Ihr nicht immer wisst, was Ihr sagen sollt - das wissen wir oft auch nicht.

Manchmal müssen wir ganz dringend über unsere Kinder reden.

Wir erzählen Euch Details, nach denen Ihr nie gefragt hättet und können nur schwer damit aufhören.

Wir wissen, dass das eventuell nervt, aber machmal kompensieren wir dadurch einfach nur die Tatsache, dass wir keine “großen” Neuigkeiten zu berichten haben (keine ersten Schritte oder ersten Worte usw.)

Andererseits geben wir in anderen Situationen aus dem gleichen Grund auf die allgemeine “Wie geht es Charlie?”-Frage nur die einsilbige Antwort: “Gut.”

Es ist für uns alle einfacher, wenn Ihr etwas konkreter fragt, wie zum Beispiel: “Wie hat es Charlie im Zoo gefallen?” oder “Gefällt es Charlie in ihrer neuen Schule?”

Habt keine Angst vor Fragen, wie ihr sie über ein “normales” Kind stellen würdet, z.B. “Wie findet es Charlie, ihre Mama den ganzen Tag für sich alleine zu haben, jetzt wo Susannah auf die weiterführende Schule geht?” oder “Was wünscht sich Charlie zum Geburtstag?”

Ihr denkt bestimmt, dass das schwierig zu beantworten ist, weil sie nicht sprechen oder sich anders ausdrücken kann, aber ich habe garantiert eine Antwort für Euch.

2. Fühlt Euch nicht schuldig, die Fortschritte Eurer Kinder mit uns zu teilen

Jetzt wird es kompliziert.

Es ist eigentlich unvermeidlich, dass uns das in irgendeiner Weise wehtut und Ihr wisst das auch.

Wir wissen, dass Ihr es wisst.

Bitte versteht, dass wir das nicht ändern können - aber wir wollen trotzdem Eure schönen Neuigkeiten hören.

Ganz besonders dann, wenn wir Euer Kind gut kennen.

Wir wollen das mit Euch feiern!

Allerdings gibt es auch ein paar Möglichkeiten, es uns etwas leichter zu machen.

Versucht uns Eure Neuigkeiten nicht allzu mitfühlend oder gar entschuldigend zu erzählen.

Wir merken das und es fühlt sich herablassend und schrecklich an.

Und fühlt Euch nicht verpflichtet, im selben Atemzug nach unseren Kindern zu fragen.

“Klein-Johnny hat heute seine ersten Schritte gemacht und er ist erst zehn Monate alt! (Mitfühlenden Blick bitte hier einfügen) Und was macht Charlie? Irgendwelche Veränderungen?”

Das ist fürchterlich und drängt uns gleich in die Defensive. Ihr würdet das nicht fragen, wenn mein Kind ein “normales” zehn Monate altes Kind wäre, das noch nicht laufen kann. Also fragt das nicht, nur weil mein Kind schon vier ist und eigentlich laufen können sollte.

Das sollte zwar ganz selbstverständlich sein, aber es passiert sehr häufig.

Wohlmeinende Freunde und Verwandte planen oft etwas zu unternehmen, das für Charlie zu schwierig erscheint und so werden wir gar nicht erst dazu eingeladen - oder noch schlimmer, sie erzählen uns “Wir haben Euch nicht eingeladen, weil…”

Es stimmt aber auch, dass wirklich viele Dinge schwierig für uns und Charlie sind.

Aber Ihr wärt überrascht zu erfahren, was wir alles schaffen und wie einfallsreich wir dabei werden können.

Natürlich gibt es auch Dinge, die wir nicht mitmachen können, aber lasst bitte uns die Entscheidung treffen, besonders wenn es ein Familienausflug ist, an dem wir so teilnehmen könnten.

3. Sprecht mit unseren Kindern

Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern - bevor ich Kinder hatte - in der ich nicht die leiseste Ahnung hatte, wie man mit einem Kind spricht.

Ich war mir nie sicher, auf welchem Niveau ich mit ihnen sprechen sollte - ich habe mal eine Dreijährige gefragt, ob die Schule zu schwierig ist? Oder zu einfach?

Ist es uncool einem zehnjährigen Jungen durch die Haare zu wuscheln?

Was ist tabu bei Teenagern?

Ich erinnere mich, dass ich mich unbehaglich und seltsam fühlte, wenn ich Freunde mit Kindern getroffen habe.

Ich wollte sie nicht ignorieren, aber was, wenn ich etwas total dummes gesagt hätte?

Ich glaube, so fühlen sich viele Leute, wenn sie mit Charlie sprechen möchten.

Bei ihr sieht man eventuell noch zusätzlich dumm aus, da sie nicht antwortet - oder einem noch nicht einmal in die Augen schaut.

Aber für uns Eltern bedeutet es unglaublich viel, wenn Ihr es wenigstens versucht.

Ein einfaches “Hallo Charlie, Du siehst süß aus mit Deinem rosa Hut!” oder “Charlie, Du Glückspilz - ich mag Schokolade auch so gerne!” reicht schon.

4. Redet auch über andere Dinge

Charlie ist nur ein Teil unseres recht ausgefüllten Lebens.

Denkt nicht, dass Ihr mit uns nicht auch über andere Dinge sprechen könntet - wir können uns sogar richtig mit Euch über Eure Steuer-Rückzahlung freuen!

Nichtsdestotrotz, wir sehen Filme, wir haben einen Beruf, wir haben andere Kinder und wir lieben es, über all diese Dinge zu reden - sowohl über Eure als auch über unsere.

Manchmal können wir sogar ganze Gespräche führen, ohne dass Charlie darin auftaucht!

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