“Ach, die Kinder werden ja so schnell groß!” Diesen Ausruf hört man ja in schöner Regelmäßigkeit von Eltern, die vom Wachstums- und Entwicklungstempo ihrer Sprösslinge überrascht sind. So manch einer würde bestimmt gerne die Zeit anhalten oder ein Stück zurückdrehen, um jeden einzelnen Entwicklungsschritt noch mehr auskosten und genießen zu können.

Eltern, die ein besonderes Kind haben, das in seiner Entwicklung vielleicht verzögert ist, mögen dieser Aussage mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Natürlich wünscht sich jeder ein gesundes Kind und wenn die Entwicklung des eigenen Nachwuchses im Zeitlupentempo verläuft und man nicht weiß, welche “Meilensteine” überhaupt erreicht werden, kann das eine sehr schmerzliche Erfahrung sein.

Allerdings muss es das nicht zwangsläufig! Ich finde das allerwichtigste ist es zunächst, sein Kind so zu sehen, wie es ist - ohne ständig an all die Dinge zu denken, die es noch nicht kann und vielleicht auch nie können wird. Denn nur so kann man seinem Sohn oder seiner Tochter wirklich gerecht werden - wenn schon die eigenen Eltern nicht ohne Vorbehalte hinter einem stehen, wer denn dann?

Ich möchte an dieser Stelle mal einen kleinen Text zitieren, der vielleicht dabei hilft. Mich berührt er zumindest jedes mal sehr tief, wenn er mir mal wieder in die Hände fällt. Er stammt aus dem Buch “Facing the Challenges” der CdLS-Foundation und ist eine Informationssammlung über das Cornelia de Lange-Syndrom, das auch bei unserer Mausbeere diagnostiziert wurde. Die Textpassage stammt aus dem Kapitel zur Lebensqualität und ist von einer Mutter geschrieben, die versucht, das Leben aus Sicht ihres Sohnes zu erklären, der dazu selbst nicht in der Lage ist. Es gelingt ihr mit wunderschönen Worten, das einzigartige Wesen ihres Kindes zu beschreiben, das die schnelle Welt um es herum gar nicht verstehen kann:

“Ich liebe die wechselnden Jahreszeiten. Aber beurteile mich nicht nach dem normalen Kalender. Mein Zeitplan ist anders. Wenn ich dem Kalender nach ein Mann bin, bleibe ich doch ein Kind. Sieh mich an. Wie ich bin, nicht wie ich sein soll. Ich werde einen Platz brauchen, um aufzuwachsen, ohne dass der Taktgeber der Tage, meine Fortschritte misst. [...] Isoliert mich nicht vor der Gesellschaft, sondern helft mir dabei, mich darin einzufügen, wo immer und wann immer ich kann. Und wenn ich einmal bereit bin, lasst mich einen Platz in der Welt der Kalender und Uhren einnehmen.”

Auch unsere Mausbeere entwickelt sich in ihrem ureigenen, gemächlichen Tempo. Aber das bedeutet auch, dass wir uns über jede neue Fähigkeit, die sie erlangt umso mehr freuen! Außerdem gibt uns das Zeit, jede Phase der Entwicklung viel länger zu genießen als die Eltern normal entwickelter Kinder. Mittlerweile ist unser Töchterchen fast drei Jahre alt und hat bereits viele wunderbare Dinge gelernt - rückblickend betrachtet ging das trotzdem irgendwie unglaublich schnell! Wenn ich sie mir jetzt so betrachte, sehe ich schon eine richtige junge Dame und kein Baby mehr… Ach, die Kinder werden ja so schnell groß!

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