Aber was ist das nun genau und vor allem wie funktioniert es?

Der Upsee ist eine  Mobilitätsvorrichtung, die Kindern mit motorischer Einschränkung ermöglicht, mit der Unterstützung von Erwachsenen zu stehen und zu gehen. Mehr Infos unter Quelle: http://www.fireflyfriends.com/de/upsee

Zum ersten Mal habe ich vom Upsee bei DM gehört. Maria lag damals noch in der Kinderwagenschale, wir waren gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden und zu diesem Zeitraum habe ich noch nie etwas von einer Cerebralparese gehört. Da steckt uns eine Mitarbeiterin von DM, damals eine Arbeitskollegin von meinem Mann, eine Werbeanzeige von Firefly zu. Ich fand es super, dass es so was gibt. Wirklich. Aber was wir nun damit sollten war mir ein Rätsel.

Aber der Tag X kam, an dem ich mich an diese Situation erinnern sollte

Im Sommer 2015 lag Maria auf dem Bett und hat gerade begonnen 3 Wort Sätze zu bilden. Also wirklich ganz laangsamm und schwerfällig in der Aussprache. Bis dato hatte ich auch schon damit gerechnet, dass Maria auch geistig behindert sein wird. Man kann es ja ohne Sprache nicht wirklich alles abschätzen. Auf jeden Fall lag sie dort und sah mich traurig an. Und dann kamen die Worte, die alles verändert haben.

“Ich bin traurig” sagte Maria. Ich dachte ich hörte nicht richtig. Ein 3 Wort Satz, ein beschriebenes Gefühl… und dann auch noch eines was man nicht hören möchte. ”Warum bist du denn traurig Maria?" und nun kam der Satz der mir innerhalb Sekunden mein Herz entzwei riss. "Ich nicht laufen kann…” Da war er.. und damit hatte ich jetzt zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gerechnet. Ich hatte mir noch nicht mal was zu Recht gelegt, was ich dann antworte oder wie ich reagieren soll. Wie erklärt man einem 2,5 jährigem Kind weswegen es nicht laufen kann. Mein Mann stand im Türrahmen, kämpfte mit den Tränen und sah mich auch hilflos an. ”Ja, ich weiß, meine Süße. Aber irgendwann wirst du laufen können. Ich helfe dir dann dabei, ok” war dann das was mir spontan und mit dickem Kloß im Hals eingefallen ist. Maria war darüber zum Glück so froh das sie instant und sofort und am besten schon vor 5 min ihr Mittagessen wollte…

Und ich erinnerte mich. Ich erinnerte mich an den Moment der damals so weit weg war und der jetzt und hier die Lösung von Marias Traurigkeit werden könnte.

Also begann ich zu recherchieren. Landete ziemlich schnell auf der Seite von firefly und informierte mich über das System.

Der Upsee besteht aus zwei Gurtsystemen: eine für den Erwachsenen, eine fürs Kind, die, ganz simpel erklärt, miteinander verbunden werden. Für die Kleinsten gibt es noch Sandalen, um die Füße richtig zu positionieren. Okay, das hatte ich verstanden. 

An der Stelle einmal kurz eine kleine Anmerkung. Ich verzichte hier darauf den Upsee als “Hilfsmittel” im Detail vorzustellen. Zum Thema Größen und Co folgt einfach diesem Link.

Trotz allem waren viele Fragen offen. Wie funktionierte das ganze denn nun? War es für Maria geeignet? Sollten wir das Geld investieren? Und was ist, wenn es dann gar nicht das ist, was wir erwartet haben?
 
Für mich kam eine direkte Bestellung nicht in Frage, zumal es den Upsee damals nur in England gab. Ich wollte den Upsee vorher testen. Also habe ich gesucht und gesucht und bin bei RehaKids fündig geworden. Eine ganz liebe Mami, und inzwischen Freundin, hat ihren Upsee verkauft. Und das in Berlin. Perfekt. Und das Beste: Der Upsee war für Maria geeignet! Aber Die Freude war riesengroß. Leider habe ich zu spät die Kamera angeworfen. Aber ihre ersten Worte waren: ”Ich kann laufen, ich kann laufen..” und das wurde in verschiedensten Tonlagen von sich gegeben das einem die Tränen vor Rührung liefen… Ja, Schnecke.. du kannst laufen.. <3
 
Aber nun mal zu meinen Eindrücken. Es ist natürlich nur eine Sicht von mir mit meiner Tochter als Beispiel und gilt nicht automatisch für alle anderen. Aber vielleicht hilft es ja ein wenig, eine Entscheidung zu treffen.

Vorab den damaligen Stand von Maria:

Maria hat eine Cerebralparese/Tetraparese. Sie hat starke Spitzfüße und ist Hypoton im Rumpf. Ihre Beine sind stärker betroffen als ihre Arme und Hände, wobei es da auch linksbetont ist.

Sie konnte damals im Zwischenfersensitz sitzen, sich selber aus zu balancieren, viel ihr schwer.

Also brauchte sie eine Hand, um sich irgendwo fest zuhalten oder abzustützen.

Sie konnte sich drehen und robben. Sprachlich war sie soweit, dass sie  langsam mit 3 Wortsätzen begonnen hat, wobei sie die Worte einzeln mit kurzen Pausen dazwischen aussprach.

Wenn man sie in den Stand gebracht hat, konnte sie mit dem Schrittablauf nichts anfangen. Sie hat sich zwar gefreut, dass sie jemand stehend festhält, ist aber immer in sich zusammen gesackt, ließ den Kopf hängen und es gab keinen Impuls für eine Schritt-Bewegung. Zuerst haben wir den Upsee damals so eingestellt, dass Maria komplett von uns gehalten werden konnte.

Die Gurte, die zwischen den Beinen durch gehen und da durch Halt geben, waren straff angezogen und Maria hatte minimalen Eigenkontakt zum Boden.

Sie wurde also durch die Laufhilfe getragen und unsere Schritte waren es, die uns vorwärts bewegt haben.

Von ihr aus kam noch kein Impuls von Schrittabläufen.

 

 

Bild: Ohne was zum abstützten ist es für sie sehr anstrengend und sie fällt in sich zusammen.

Durch Marias Hypotonie konnte sie auch nicht lange ihren Kopf selber halten und hing dann nach ein paar Schritten im Gurtsystem. Freudestrahlend, aber völlig kraftlos.

Man kann sich das Laufen mit dem Upsee auch nicht so vorstellen, das man direkt los marschieren kann und bis zum 3 Blöcke weiter entfernten Spielplatz läuft. Es ist etwas komplizierter. Das laufen erinnert eher an Donald Duck, der in Zeitlupe Hürden springt. Und das ist  auch gut so. Es ist ein unglaublicher Kraftakt für die Kleinen. Auch sollte man einen Puppenwagen, Petö-Schieber oder Lauflernwagen in die Hände geben, sonst ”schwimmen” sie etwas in der Luft, gerade wenn sie hypoton sind und sich schwer selber halten können.

Wir sind zu Beginn in der Wohnanlage von uns gelaufen. In etwa eine Strecke von 50 m. Ca. 10 Schritte hat es gedauert, bis Maria die Kraft aus ging. Aber jedes Mal konnte man einen enormen Sprung in ihrer Entwicklung erkennen! Sie hatte eine bessere Ausdauer  natürlich in kleinen Schritten zu erkennen.. ermüdet nach z.B. 20 Schritten.) Sie hat ein Verständnis für den Schrittablauf bekommen.

Sie hat ein Verständnis für den Schrittablauf bekommen. Hat selber die Bewegungsimpulse für die Schritte gegeben. Wir haben die Einstellung am Gurt so verändert, dass Maria ihr Gewicht ein klein wenig selber tragen musste, aber die größte Veränderung war ihre sprachliche Entwicklung. Durch die Aufrichtung ist es regelrecht explodiert und hier wird ohne Ende gesabbelt. Sehr kontrolliert und langsam. Aber mei.. =D die Worte, die sie nutzt, sind inzwischen nicht mehr zählbar.

Auch ihre Körperwahrnehmung ist enorm gestiegen. Sie hat begonnen, sich überall hoch zu ziehen und hin zu stellen. Natürlich braucht sie Hilfe dabei. Aber alleine stehen zu können und ihr Gewicht zu halten, wäre vorher undenkbar gewesen. Sie kann nun viel besser ihre Spastik „kontrollieren”. ( Locker lassen und entspannen!) und sie hat dadurch viel mehr Selbstständigkeit erlangt. Ob das nun generell so gekommen wäre, weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass es alles Schlag auf Schlag kam, als wir mit ihr den Upsee genutzt haben.

Aktuell findet Maria nun den Upsee doof, und hat sich in den Kopf gesetzt, selber zu laufen !  Das Wissen ist in ihrem Kopf, dank der Laufhilfe und sie übt nun fleißig mit einem Petöschieber.

Als Fazit kann ich sagen, das uns der Upsee einen Meilenstein gebracht hat, den ich niemals für möglich gehalten habe. Ich glaube aber auch, dass er nicht für jedes Kind  gleich geeignet ist, und es stark von der körperlichen und geistigen Entwicklung abhängt. Für uns war er genau richtig!

Habt ihr auch schon Erfahrung mit dem Upsee machen können? Wie fandet ihr ihn?

Lg Alex

 

 

 

 

 

 

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