Ich kann ohne Einschränkungen von uns sagen, dass wir eine sehr glückliche Familie sind. Wir haben eine ganz wunderbare, fast dreijährige Tochter, die uns jeden Tag aufs neue mit ihrer wunderbaren und ganz speziellen Art erfreut. 

Da unsere Mausbeere mit dem seltenen Cornelia de Lange-Syndrom geboren wurde, haben wir aufgrund einiger medizinischer Probleme auch schon schwierige Zeiten mit ihr erleben müssen. Trotzdem würden wir sie um nichts in der Welt gegen ein Kind mit “Normalsyndrom” eintauschen und nehmen sie mit all ihren Besonderheiten so an, wie sie ist.

Dass ich dies so ohne Einschränkungen schreiben kann, ist aber keine Selbstverständlichkeit (obwohl sie das eigentlich sein sollte), denn gerade in den ersten Wochen und Monaten hatte ich mit vielen Zweifeln und Sorgen zu kämpfen. Ich möchte an dieser Stelle davon erzählen, um anderen frischgebackenen Eltern von “besonderen” Kindern zu zeigen, dass solch gemischte Gefühle ganz normal sind.

Dass unser Wunschkind einige Besonderheiten aufweist, haben wir erst nach der Geburt erfahren, denn die Schwangerschaft verlief vollkommen ohne Komplikationen. Als unser Baby dann gleich auf die Kinderintensivstation gebracht wurde, war dann logischerweise ein großer Schock für uns. Erst als es ihr in den nächsten Tagen stetig besser ging und wir sie das erste Mal in den Armen halten durften, kam langsam die Freude über unsere kleine Tochter. Aber dann bekamen wir die Diagnose, dass unser Mädchen voraussichtlich auch eine geistige Behinderung haben würde, was besonders mich sehr getroffen hat.

Die nächsten Wochen waren dann eine Achterbahn der Gefühle - immer zwischen der Freude über das niedliche, kleine Wesen und Angst, was die Zukunft wohl für uns bereithalten würde. Der Kopf war voller medizinischer Fachbegriffe und Gedanken, die wie eine große Mauer zwischen mir und meiner Tochter standen. Dazu kamen auch noch die hormonellen Veränderungen, die auch vielen Müttern mit gesunden Kindern teilweise schwer zu schaffen machen.

Glücklicherweise hat mein Mann die schlimmsten Zweifel gleich in den ersten Tagen mit sich ausgemacht und überwunden und sich in den folgenden Wochen, in denen es mir nicht so gut ging, rührend um uns beide gekümmert.

Und mit der Zeit ist es mir gelungen, mehr und mehr dieses ganz besondere kleine Mädchen zu sehen, das meine Tochter ist. Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, an dem bei mir im Kopf eine Art Schalter umgelegt wurde, und mein Mädchen richtig bei mir “angekommen” ist. Wir brauchten einfach etwas länger, einander kennen zu lernen - mit ihrem Charme und ihrem wunderbaren Grinsen war es aber auch nur eine Frage der Zeit, bis sie mein Herz schließlich erobern würde.

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